Mittwoch, 5. Oktober 2016

1:1 in München gewonnen.



Es ist die 92. Spielminute im Münchener Versicherungsvertreter Tempel, als sich Artjoms Rudnevs den Ball nach einer Ecke der Bayern am eigenen 16er schnappt und auf den Weg in Richtung Manuel Neuer macht. Zunächst hatte ich Angst, er würde sich jetzt in die Geschichtsbücher neben Diego Maradona und Lionel Messi eintragen wollen und ein einzigartiges Solo hinlegen, am Ende stolpern und sich ne Schultereckgelenksprengung zuziehen. Aber nein, er sieht den startenden Simon Zoller und packt einen 40 Meter Pass in den Lauf aus. 

Da ich es aus privaten Gründen vorzog an dem Wochenende nach Schleswig Holstein, anstatt nach München zu fahren (Danke für die starke Party, Malte), saß ich also bei den Eltern auf der Couch und schaute mir das Spiel mit meinem Vater, eingefleischter FC Bayern Fan, gemeinsam an. 

So schaffte es also Rudnevs diesen Zauberpass genau in die Schnittstelle zwischen die Verteidiger zu bringen und Simon genau in den Lauf zu spielen. Dieser nahm den Ball an, ließ seinen Gegenspieler hinter sich und lief auf das Tor der Bayern zu. Während ich mich schon vorsichtig von der Couch erhob, die Hände langsam in die Luft streckte und mich zum kollektiven Ausrasten bereit machte, vergrub mein Vater seinen Kopf im Couchkissen. Immer mehr Gebete schickte ich gen Himmel "Bitte nicht stolpern, Simon! Bitte nicht stolpern!". 40 Meter, 30 Meter, 25 Meter, Simon stand noch immer. Die Gebete wurden lauter, die Arme hatten schon den maximalen Punkt erreicht, nächste Stufe wäre Schulter ausgekugelt gewesen. Simon erreichte den 16er, noch immer stand er, hatte den Ball am Fuß. Neuer kam aus seinem Kasten, machte die kurze Ecke zu, es blieb also nur noch eine Möglichkeit.. 

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Er nahm den Kopf hoch, schaute wo Neuer stand und schoss den Ball auf die lange Ecke. Aus mir quiekte es schon, langsam sank ich zu Boden, bereit diesen zu küssen. Noch nie hat ein Ball so lange gebraucht, es dauerte gefühlte Minuten. Es brach aus mir heraus, ich konnte es nicht mehr in mir halten. "Toooooooooooooo...." 

Vorbei. Vorbei? VORBEI? Wie zum Teufel kann? Aber? Wies..? Hää? VORBEI???

Stille. Absolute Stille. Ich wusste, dass mein Vater gerade mit einem fetten Grinsen ins Kissen biss, während ich mich fragte, wo ich gerade war und was gerade passiert sei. 

Einer der schönsten rausgespielten Konter, seit dem 3:2 Siegtor von Novakovic im Heimspiel damals gegen die Bayern. Aber es sollte nicht sein, der Ball ging neben das Tor. Macht nichts Simon, waren nur in Gesamt Deutschland sicher mehrere 100.000 € die gerade den Bach runter gingen. Beim nächsten Mal machste ihn rein. 

Es wäre aber auch des Guten zu viel gewesen. Angesichts der Torchancen und den 3 Alu Treffern des FC Bayern, hier am Ende noch mit 3 Punkten vom Feld zu gehen,. Gut, wir kennen es ja selbst aus der Kreisliga, wer sie vorne halt nicht macht...  

Die ersten 30 Minuten spielten fast ausschließlich die Bayern, gefühlt 142 % Ballbesitz. Hinten wurde alles geblockt und rausgegrätscht, so weit es ging. Nur in der 40. Minute ging es schief, als sich an der linken Außenbahn Bernat und Risse trafen. Naja, Risse traf nichts. Das war das hauptsächliche Problem, denn er ging mit einer Grätsche in den Ballführenden hinein. Jedoch ging diese an Freund (Ball) und Feind (Bernat) vorbei. Schon in der Jugend weißte, wenn man grätscht, sollte man entweder Ball oder Gegner treffen. In dem Fall wäre mir Gegner natürlich lieber gewesen. Also spielte dieser den Ball am heran fliegenden Risse vorbei, flankte den Ball in den Strafraum und dort köpfte der 1,20m große Kimmich den Ball ins Netz. Joa, scheiße gelaufen. 

Doch der #effzeh wäre nicht der #effzeh, wenn man sich nicht zu Eigen gemacht hätte, dass es niemand wagen sollte, ihn zu schlagen. 

So schlug Marcel Risse in der 63. Minute einer seiner berühmt berüchtigten Flanken ins Nirwana, an eine Stelle, an der sonst niemand stehen würde. Doch Modeste scheint sich im Training schon so an diese unpräzisen Flanken gewöhnt zu haben, dass er sich zur Aufgabe machte, das Bundesliga Logo nachzustellen und den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. BÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄM! TONY, ICH WILL 1 KIMD VONG DIR HER! 

Eskalation auf der einen Seite des Wohnzimmers, mürrisches Grummeln auf der Anderen. Während ich mich noch immer fragte ob Modeste sich jetzt dabei wohl verletzt hat, schlich die andere Seite frustriert zum Kühlschrank und holte sich ein neues Bier. 

Fortan entwickelte sich tatsächlich ein richtig klasse Bundesliga Spiel mit Chancen auf beiden Seiten., in der Osako in der 71. Minute hätte zum König werden können, als der den Ball zum 2:1 im Netz unter brachte -  wäre er nicht 0,5 Sekunden zu früh gestartet und hätte nach Pass vom eingewechselten Simon Zoller im Abseits gestanden.. Mein Vater hatte sich mittlerweile zum Rauchen auf die Terrasse verzogen, er konnte mein dämliches Grinsen nicht mehr sehen. 

So kam es also, dass uns Timo Horn mit einem wahnsinnigen Reflex gegen Müller in der 77. Minute im Spiel hielt, die Bayern nach Eckball noch mal den Pfosten trafen und der Ball heute unser Freund war. Naja, fast, außer in der 92. Minute..

Am Ende muss man sagen, diese 1:1 Sieg bei den Bayern ist wieder einmal ein Zeichen dafür gewesen, was in dieser Mannschaft steckt. Sie gibt nicht auf, egal wer der Gegner ist. Sie glaubt an sich, jeder kämpft für jeden. Die technisch und spielerisch limitierten Eigenschaften gleicht die Truppe mit einem richtig starken "WIR" Gefühl aus. So einen Zusammenhalt habe ich hier in der Domstadt noch nie erlebt und das spricht enorm für die Mannschaft, aber auch für die Leute, die die Truppe zusammengestellt haben und trainieren. 

Damit hier jetzt keiner durchdreht, hat der DFB aus Sorge vor weiterer Eskalation in Köln erstmal eine Länderspielpause eingelegt, damit wir uns wieder ein wenig beruhigen können, bis es dann in 1 1/2 Wochen weiter geht, im Heimspiel gegen den FC Ingolstadt. 

Aber die werden es ja wohl auch nicht wagen..


Da Fußball nicht alles im Leben ist - Gute Besserung Rigobert Song, du packst das! 

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