Dienstag, 18. Oktober 2016

Zwischen Dankbarkeit und Demut.

2:1 Heimsieg gegen Ingolstadt. Ein eigentlich ungefährdeter Sieg, der am Ende aber doch noch mal etwas gefährdet schien. Fast hätte man den "alten" #effzeh erlebt, der es schafft in Heimspielen eine 2:0 Führung wegzuwerfen. Aber diesen "alten" #effzeh scheint es nicht mehr zu geben, damit muss wohl auch ich mich langsam abfinden..auch wenn ich ihn manchmal etwas vermisse. 

Denkt man an frühere Jahre zurück, wenn der #effzeh in Spiele als vermeintlicher Favorit ging, konnte man in aller Seelenruhe ins nächste Wettbüro gehen, sein komplettes Hab und Gut auf den Gegner setzen und sich danach auf seiner Privatinsel zur Ruhe setzen. Denn der #effzeh wusste immer, wenn es mal die Möglichkeit gab sich etwas von den Abstiegsplätzen abzusetzen, wie man seine Anhänger wieder auf den Boden zurück holt.

Nein, die Favoritenrolle lag diesem Verein in den vergangenen 20 Jahren nie wirklich. Egal wie der Gegner hieß - ob nun FC Bayern München, oder in der 1. Pokalrunde SpVg Beckum - man hätte sich am liebsten hinten rein gestellt und auf Konter gespielt. Bloß nicht das Spiel machen, bloß nicht der Favorit sein. Gut, der selbstironische FC Fan sah auch 1995 die SpVg als Favoriten.. aber egal, was interessiert uns der Driss von gestern? Wir nehmen diese Situationen jetzt so an, wie sie sind. Gehen auch so in das Spiel und zeigen von Beginn an, wer hier heute das Spiel machen wird und wer es auch gewinnen soll. So auch am vergangenen Samstag, dessen Lohn am Ende Platz 2 in der Tabelle ist. Ein Lohn, den man sich in den vergangenen Monaten hart erarbeitet hat. Ein Lohn, der nicht unverdient erscheint, zumindest für den Moment. 

Plötzlich, aus heiterem Himmel, wird der #effzeh aber auch von allen so wahr genommen, wie wir ihn schon seit längerer Zeit sehen. Vorbei das Klischeedenken vom peinlichen Karnevalsverein, dessen Fans nach 2 Siegen sofort von der Meisterschaft träumen. Aber der #effzeh Fan selbst weiß auch, dass wir uns seit vielen Jahren schon selbst aufs Korn nehmen. Nur die schreibende Zunft hat es nicht verstanden. Es war halt einfacher sich über diesen Verein lustig zu machen, als sich mit der Realität zu befassen. Gut, der Verein hat aber auch alles dafür getan, dass man die Möglichkeit dazu hat. 

So scheint es aber, dass zur Zeit jedes Blatt erkannt zu haben,  das eine Sportabteilung hat, dass sich hier in Köln etwas entwickelt. Gut, so sollte auch dem letzten Freelancer, der ne 4 in Sport hatte und am Wochenende Sportschau sieht erkannt haben, dass der 1. FC Köln, dort wo er zur Zeit in der Tabelle steht, eigentlich nicht hin gehört - also muss da ja was passiert sein. Wie weit dies reicht, zeigt dass sich darin, dass der englische "Mirror" mittlerweile schon auf den #effzeh gestoßen ist. Dort wird man sogar schon mit dem letztjährigen Sensationsmeister Leicester City verglichen. Das ist allerdings dann doch etwas zu hoch gegriffen. 

Nach 7 Spieltagen, 4 Siegen und 3 Unentschieden steht man nun auf Platz 2 der Bundesliga Tabelle. Saisonübergreifend ist man sogar seit 12 Spielen (Mitte April, Gegner vergessen) ungeschlagen. Ich möchte jetzt gar nicht aufgreifen, was den Grund gibt, warum der Verein dort steht, oder wie er da hin gekommen ist. Das haben bis auf die "Blitz Illu" und "Schöner Wohnen" schon alle anderen getan. Mir geht es eher darum, wie die Fans mit der jetzigen Situation umgehen und warum wir zur Zeit so sind, wie wir halt sind. 

Man stelle sich einfach vor, sein Lieblingsverein, für den man sein letztes Hemd gibt und jedes 2. Wochenende durch ganz Deutschland reist, spielt seit 20 Jahren einfach nur Müll. Nein, er spielt es nicht nur, dieser Müll wird auch noch Vereinsintern gelebt. Da kommt dann im Jahr 2012, nach dem bittersten Abstieg der Vereinsgeschichte, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Bayer AG zum 1. FC Köln, nachdem sein Vorgänger keinen Bock mehr hatte und fängt an nach und nach die ganze Scheiße aufzuräumen. 

Es ist für uns, was seit der Amtsübernahme von Werner Spinner geschehen ist, etwas wie eine kleine Wiedergutmachung für alles, was wir die letzten 20 Jahre mitgetragen haben. Abstieg? Egal, steigen wir wieder auf!

Aber es folgte wieder ein Abstieg.. und wieder, und wieder... Immer wieder dachte man, jetzt hätte man sich erholt, jetzt könnte der Verein dahin zurück kehren, wo er einst war. Aber es wurde immer schlimmer und endete in einer Fast-Insolvenz, nachdem man den Fans zum x-ten Mal versprochen hatte, ihn wieder nach Europa führen zu wollen, diesen großartigen 1.FC Köln. Aber es klappte nicht. Kein Messias, kein Podolski half, man spielte schon wieder gegen Sandhausen, statt gegen Manchester United. 

Wenn man nun heute in die Augen der #effzeh Fans in der Stadt schaut, sieht man eher Dankbarkeit als den Hang dazu völlig abzuheben. Freude, Spaß, die Liebe ist neu entfacht. Niemand dreht hier durch, wir sind wie wir sind. Es ist so, als hätte man seit 20 Jahren keinen Sex gehabt, ist jetzt frisch verliebt und darf wieder ran. Die vergangenen Jahre haben die Fans hier sehr demütig gemacht. Natürlich werden auch wieder Phasen kommen, in denen es nicht so gut laufen wird, denn jede Serie hat leider auch mal ein Ende. Die Fans kommen nicht mit den Meisterschalen ins Stadion, weil sie denken, wir könnten tatsächlich das deutsche "Leicester City" werden, nein, sie nehmen sich selbst aufs Korn. Denn die Meisterschale wurde auch schon in der 2. Liga gezeigt und es wurde auch dort schon "Deutscher Meister, FC" gesungen. Das ist nichts Neues. Schreibt sich aber nicht so zerreißend und spiegelt ja nicht das Bild des Klischee-Schreibers wieder. 

Lasst uns unseren Spaß, so lange dieser noch anhält. Wenn es Euch nervt, dann guckt Bayern Spiele. Hier erlebt ihr nur Dankbarkeit und Freude. Dort Pfiffe nach nem 1:1 und eine Krise als Tabellenführer. Hier Glanz in den Augen, niemand geht mehr bedrückt zur Arbeit, weil man gerade wieder eine 3:0 Führung weggeworfen hat und noch 3:4 gegen Wehen Wiesbaden verloren hat. Sucht Euch neue Vereine, über die ihr Euch lustig machen könnt. Gibt ja genügend, die das Potenzial haben uns den Rang als "Klassenclown der Liga" abzulaufen..

Ich bin dankbar, sehr dankbar, vergesse aber nicht wo wir hergekommen sind. Ja, das Geschäft ist schnelllebig, für mich scheint es die schönste Zeit als #effzeh Fan zu sein, die ich in meinen 33 Jahren jetzt erleben darf. Jedoch schaue ich immer noch nach Unten und prüfe jeden verdammten Sonntagabend, wie viel Abstand wir zu Platz 16 haben. Für diejenigen, die es vergessen haben, es sind zur Zeit 11 Punkte. 

Denn bei aller Euphorie, die zur Zeit um das Geißbockheim herrscht, es sind noch 25 Punkte bis zum Klassenerhalt und erst den 7 Spieltage hinter uns. Eintracht Frankfurt hatte nach der Hinrunde 2010/2011 27 Punkte und stieg am Ende doch noch ab, obwohl dort alle von Europa träumten..

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